Munchmuseet, MM K 3226

MM K 3226, Munchmuseet. Datert 30.11.1914. Brev fra Gustav Schiefler.

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    I
    
Hamburg 30 November 1914



    Lieber Freund!


    Ich komme heute mit zwei An-
fragen:

    1. Carl Götze, hiesiger Lehrer und
Herausgeber des Säemanns, einer
sehr guten Pädagogischen Zeitschrift,
(Organ des über ganz Deutschland
verbreiteten Bundes für Schulre-
form) w giebt ein der Jugend ge-
widmetes Heft heraus und hat den
Wunsch, dabei einige durch beson-
dere Geistigkeit des Ausdrucks
hervorragende graphische Portraits
zu reproduciren. Er hat ausser
de\n/m Liebermannschen Portraits

 

      

Friedrich Naumanns und
Gerhard Hauptmanns Ihr
Selbstportrait von 1895 aus-
gesucht und auch dieserhalb
an Sie geschrieben. Ich habe ihn
getröstet, dass er noch keine
Antwort bekommen hat, und
ihm gesagt, Sie wären sicher
einverstanden; ich wollte die
Verantwortung Ihnen gegenüber
übernehmen. Ich habe mich dazu
für befugt gehalten, weil Sie
mir ja die Reproduction des
Blattes für meinen Katalog
auch gestattet haben. Ich selbst

 

      
    II

habe für das Heft einen Aufsatz
geschrieben, in welchem ich auf
die Aufgabe der Kunst hingewie
sen habe, das grosse Leid, das
zu lindern, das durch den Krieg
über \so/ viele Familien gebracht
wird. Ich bitte Sie nun, meine
Handlungsweise nachträglich zu
genehmigen. Ich bemerke noch
dass die Beigabe dieser Portraits
einen reinen künstlerischen Karakter
hat; dass die Person nicht im min
desten mit den politischen Beziehun
gen in irgend welche Verbindung

 

      

gebracht wird.
    2. Das hiesige Thalia-Theater
geht mit dem Jahreswechsel in
neue Hände, und wie wir hoffen,
in sehr gute Hände über. Der
neue Leiter, Röbbeling mit Na-
men, beabsichtigt, von Strindberg
einige seiner phantastischen
Stücke zu bringen, und ich bin
nun beauftragt, bei Ihnen anzu-
fragen, ob, und zu welchen Bedin-
gungen Sie geneigt sein würden,
die Dekoration zu übernehmen.
Das Theater ist nicht mehr in dem
alten Gebäude, sondern seit 2 Jahren

 

      
    III

in einem neuen Hause, das
dem alten gegenüber liegt. Ich
würde mich natürlich sehr freu-
en, wenn Sie nicht nein sagten,
sondern die Sache in wohlwollen-
de Überlegung zögen und Ihre Be-
dingungen mitteilten.

    Von uns kann ich gutes berich-
ten. Es ist eine wunderbare Zeit.
Bei allem äusserlich gleich gebliebe-
nen Gang des täglichen Lebens ist
ins d unserem Inneren doch eine
grosse Veränderung vor sich gegangen.
Tact und Tempo des Empfindens ist
anders geworden. Etwas von der geisti

 

      
    IV

gen Haltung des Lebens im Felde
ist auf uns alle übergegangen.
Wie würde man sonst, wenn man
stündlich seine Nächsten in grösster
Lebensgefahr gewusst hätte, seines
Lebens haben froh sein können.
Jetzt wo das alles täglich in Frage
gestellt ist, denkt man nicht mit
weitsehender Sorge, sondern freut
sich des Augenblicks.

    Politisch sehen m wir alle mit
Zuversicht in die Zukunft. Wenn auch
jetzt die Fortschritte klein und lang
samer sind, als im Anfang, sind
wir doch uns unserer festgegründeten

 

      

Kraft bewusst, die uns den
endgültigen Erfolg sichert.
Eine prachtvolle gehaltene Ruhe
beherrscht das ganze Volk
und die Einmütigkeit seiner
Gesinnung und seines Willens
ist grossartig und erhebend.
Alle sind einig darin: Englands
Besiegung ist das Ziel.

    Lassen Sie Sich’s gut gehen
und bald einmal von Sich
hören. Von Gustav hatten wir
 …  gestern eine Karte
dass es ihm gut geht.

    
    Mit herzlichen grusse

 

      

    
    
    von uns allen, insbeson
dere meiner Frau


    Ihr
Schiefler